Von allen Seiten droht es, auf jeden Fahrgast prasselt’s ein, dass für’s
Fahren nichts zu zahlen, 40 Euro kostet. Ein tiefes, inn‘res Leiden wird
jedem und jeder ausgemalt, wenn ohne Karte die Reise angetreten wird.
Das hat schon was von moralischer Grausamkeit. Besonders für die, die
auf’s Fahren angewiesen und ohne finanzielle Mittel sind. Wie die Kinder
auf ihrem täglichen Weg zur Schule, Auszubildende zu ihrer
Arbeitsstelle, Geringverdienende, Beschäftigungslose,
Alleinerziehende… Die Liste derer ist lang, die aus der Not nicht
zahlen können.
Doch am 10.März, ließen die Mainzer Verkehrsgesellschaft die
drohenden Schilder zu Fleische werden. Durch Umleiten der Busse und
unter Mithilfe der Polizei wurden Massenkontrollen der Fahrgäste
durchgeführt. Neben kilometerlangen Staus dürfte diese Aktion zahlreiche
40-Euro-Strafen mit sich gebracht haben. „Ein wahrer Erfolg“, wird es
heißen und auch ein bisschen betroffen wird man sein, dass doch so viele
Leute, wie Kinder, Azubis usw., ohne Fahrschein ertappt wurden.
„Selbst wenn wir einmal annähmen, dass die Strafen die Kosten der
Massenkontrollen überträfen“, sagt Joel Kaufmann, Sprecher der GRÜNEN
JUGEND Mainz, „selbst dann bliebe dieses Vorgehen der Mainzer
Verkehrsgesellschaft höchst fragwürdig. Es ist allerdings durchaus
symptomatisch für unsere Gesellschaft, die dem Öffentlichen Nahverkehr
gegenüber der privaten Automobilnutzung keine Chance einräumt. So
werden AutofahrerInnen und die Automobilindustrie durch eine
entsprechende Verkehrs- und Wirtschaftspolitik, sei es der übermäßige
Bau von Straßen, seien es Abwrackprämien und sonstige
Steuervergünstigungen, gegenüber des Öffentlichen Nahverkehrs
systematisch bevorzugt.“
Die GRÜNE JUGEND Mainz fordert daher die Mainzer Verkehrsgesellschaft
dazu auf, derartige Kontrollen in Zukunft zu unterlassen. Es sollte
vielmehr nach Möglichkeiten gesucht werden, die Tickets sozial gerechter
zu gestalten und insbesondere Menschen zugänglich zu machen, die nicht
auf das von staatlicher Seite so geförderte Auto als Transportmittel
zurückgreifen können. Insgesamt müssen Perspektiven entwickelt werden,
wie ein kostenloser Öffentlicher Nahverkehr realisiert werden kann.





